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Freizeit und Tourismus

Entdecke spannende Radtouren!

11. Velo-Kultour «Eisenbahn-Geschichten» – 3. Teil

Der erste Samstag im Juli ist jeweils für die Velo-Kultour von Pro Velo Zug reserviert. Zum dritten Mal begaben sich 20 Velofahrende auf eine erneut spannende Reise mit Martin Stuber (Stubi), dem Kenner der Eisenbahngeschichte des Kantons Zug schlechthin. Die ursprünglich geplante Route Richtung Arth-Goldau wurde aufgrund der für eine grosse Gruppe riskanten Verkehrssituation Richtung Norden verlegt. Das kühlende Sihltal war dafür bestens geeignet, hatten wir doch auch heute wieder einen heissen und sonnenreichen Tag vor uns.

Schon zu Beginn erklommen wir eine erste kleine Steigung bei Deinikon/Büni und wurden mit einem imposanten Ausblick ins Lorzendelta belohnt. Hier oben thront ein Kreuz mit einer interessanten historischen Inschrift zur Entstehung der Eidgenossenschaft. Doch das war nicht das Thema, sondern die Linienführung der Eisenbahn aus dem Jahre 1897 im Raum Baar. Nachdem der Albistunnel mit Portal im Litti gegeben war (1891), evaluierte die Nordostbahn vier verschiedene Varianten mit entsprechenden Bahnhofs-Standorten. Schliesslich entschied die Standortwahl des Bahnhofs Zug im Sommer 1893 zugunsten der westlichsten Linienführung. Stubi benutzte die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass das eiszeitliche Seebecken bis hier nach Deinikon reichte. Der prähistorische Seegrund und das Lorzengeschiebe verunmöglichten den Bau des damals zweitlängsten Viaduktes beim Jöchler.

Übrigens, der geplante Zimmerbergtunnel Basistunnel wird an die heutige Stammstrecke mittels sogenannter Hosenträger angebunden werden.

Die nächste Steilstufe musste unter die Räder genommen werden. Beim kurzen Halt bei Walterswil im Schatten einer grossen Scheune lauschten wir Stubis Ausführungen zur ursprünglich geplanten Linienführung der Ost-Westbahn von Sihlbrugg her. Und viele hunderte von Jahren führte der Saumpfad vom Zürichsee her über den Hirzel Richtung Süden. Dieser könnte zu einem schönen Veloweg erweitert werden.

Jetzt ging es aber definitiv Richtung Sihltal. Nach einer herausfordernden Fahrt über zwei Kreisel konnten alle ohne Zwischenfälle in den Kanton Zürich hineinradeln. In diesem gab es einen ersten Stopp bei einem ehemaligen Holzverladeplatz mit Rollbahnanschluss. Dieser ist ein Überbleibsel der Holzwirtschaft im Sihlwald, welche eng mit der im Jahre 1892 in Betrieb genommenen Sihltalbahn verbunden war. Damit waren wir beim eigentlichen Themenkreis der heutigen Tour angelangt.

Unsere Weiterfahrt auf der Ostseite der Sihlstrasse brauchte trotz neu erbautem Radweg unsere volle Konzentration. Gegenverkehr, Überholende Rennradler, ja sogar Langläufer mussten beachtet werden! Nichts mit gemütlichem nebeneinander fahren. Beim Bahnhof Sihlbrugg-Station fanden wir schönen Schatten auf der Westseite des erhaltenen historischen Güterschuppen. Dieser zeugt aus einer Zeit, als das Sihltal noch regen Betrieb hatte. Heute werden die Geleise der Sihltalbahn nur noch bis Sihlwald für den öffentlichen Eisenbahnverkehr benutzt. Um Sihlbrugg Station zu erreichen, muss man dort auf einen Bus umsteigen. Von Sihlbrugg her verkehrt überhaupt kein ÖV und vom SBB-Regionalverkehr wird die Station seit 2012 nicht mehr bedient. Ob sich dies vielleicht mal ändert? Immerhin ist der Sihlwald auch für Zugerinnen und Zuger ein interessantes Naherholungsgebiet.

Der neu erbaute Radweg endete jetzt und ein Weiterfahren auf dem Radstreifen behagte uns mit dieser grossen Gruppe nicht so. Also wechselten wir die Flusseite und gravelten der Sihl entlang bis zur Station Sihlwald mit dem Wildnispark. Das Portal des Horgenertunnels tauchte als erstes direkt vor unseren Augen auf. Unscheinbar in die Landschaft eingebettet und trotzdem sehr imposant steht es hier seit bald 130 Jahren, in Windeseile gebaut von vielen kräftigen Arbeitern mit minimalsten Mitteln. Gerade mal zwei Jahre brauchten sie dazu. Diese Meisterleistung gipfelte in einer der europaweit bis heute wichtigen Nord-Süd Verbindungen. Gebaut durch die Nordostbahn und eröffnet im Mai 1897. Stubi klärte uns darüber auf, dass der Tunnel unter dem Zimmerberg ursprünglich von Oberrieden in die Nähe der bereits bestehenden Station Sihlwald hätte führen sollen. Aber die Horgener konnten mit grosser Hartnäckigkeit in letzter Sekunde den Tunnelbau von Horgen ins Sihltal erwirken, sahen sie doch die absolute Notwendigkeit eines Bahnanschlusses weise voraus.

Weiter ging es an Flussauen der renaturierten Sihl, durch Wald und Wiesen entlang bis Sihlwald. Wunderbare Natur zum Verweilen, vielleicht ein anderes Mal. Beim Campingplatz gab es einen kurzen Halt mit Informationen und Bildern zur Waldnutzung. Proviantbesorgung am Kiosk inklusive.

Beim Besucherzentrum Sihlwald als letzte Station war heute viel los. Theaterbesuchende, Museumsbesucher, Veloclubs und wir fanden aber alle einen schattigen Rastplatz unter den grossen Scheunendächer. Stubi liess aber nicht lange locker, sondern erläuterte nun die Holzwirtschaft im Sihlwald. Dieser lieferte Bau- und Brennholz für die Stadt Zürich und wurde nach allen damaligen regeln der Kunst ausgebeutet. Für die Holzernte wurde eine schmalspurige Waldeisenbahn und diverse andere Transportsysteme entwickelt. Die Holzausbeutung und -verarbeitung war ein Musterbetrieb und so effizient organisiert, dass vielen Delegationen, auch aus dem Ausland, die Installationen vor Ort vorgeführt wurden.

Als Abschluss durften wir im Besucherzentrum Sihlwald einen 11 Minütigen Film aus dem Jahre 1913 über die Holzwirtschaft im Sihlwald anschauen. Dieser veranschaulichte aufs Eindrücklichste, wie der Sihlwald einst übernutzt wurde und überhaupt kein stiller Ort war. Heute ist der Sihlwald eine Nauturoase und lädt zur Erholung ein. Eine Anfahrt mit der Eisenbahn von Zug her direkt nach Sihlwald wäre daher äusserst wünschenswert. 1994 wurde die Stiftung «Naturlandschaft Sihlwald» gegründet. Seit 2000 wurde die Waldbewirtschaftung ganz eingestellt und der Sihlwald kehrt nun langsam zurück zur Wildnis.

Alle waren wir gesättigt von vielen eindrücklichen Informationen und dem Mittagslunch und machten uns auf die Heimfahrt Richtung Baar. Die einen gravelten zurück, die anderen nahmen Vorlieb mit ebenem Untergrund auf der Sihlstrasse. Stubi sei gedankt für die über drei Jahre verteilten Informationen zur Eisenbahn und ähnlichem. Die Jahreszahlen sind vielleicht nicht genau hängen geblieben, dafür die Pionierleistungen unserer Vorfahren, auf denen wir heute noch bauen.

Lohnenswerter Besuch: Besucher-Informationen | Wildnispark Zürich

Für Pro Velo Zug: Maria Ellend & Martin Stuber

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